Erfolgsgeschichten

Interview mit den zwei Website-Designern der KAFOL-Website

Die KAFOL-Website wurde von zwei geflüchteten Männern, nämlich durch Ebrahim Khalil Mehrno und durch Gajendran Packiyanathan auf freiwilliger Basis im Teamwork entwickelt und erstellt. Die Zusammenarbeit war ein Glücksfall.

Beide absolvierten die Programmierschule für Flüchtlinge, www.powercoders.org. Die Verantwortlichen der Powercoders ermöglichten die Kontakte zu Ebrahim Khalil Mehrno und zu Gajendran Packiyanathan.

Zugegebenermassen bringen nicht alle geflüchteten Menschen so viele Qualifikationen mit wie diese zwei. Die Kooperation zeigt jedoch sehr schön auf, von welchen Ressourcen und Fähigkeiten wir in der Schweiz von den Asylsuchenden und Flüchtlingen profitieren können.

Die zwei Website-Macher stellen sich hier kurz vor (die Interviews wurden in Englisch geführt und anschliessend auf Deutsch übersetzt).

… ein eigenes Geschäft und eigene Radio-Shows…
Nach dem Gymnasium habe ich an der Uni Teheran Informatik studiert. Bereits während des Studiums gründete ich mein eigenes Geschäft. Wir entwickelten elektronische Produkte für Gymnasiasten, welche das Selbststudium unterstützten. Um für diese Produkte Werbung zu machen, produzierten wir auch Radio-Shows.

… mein Vater wurde durch das Regime getötet und sie schlossen mein Geschäft und die Radio-Shows...
Mein Vater war Politiker und wurde sieben Monate vor meiner Geburt durch das Regime getötet. Diese Geschichte und die Politik beeinflussten mein ganzes Leben massiv. Meine Radio-Shows wurden durch die Regierung gestoppt und mein Geschäft geschlossen, zudem durfte ich nicht weiterstudieren. Mein Leben stand unter dauernder Bedrohung.

Da meine zwei einzigen älteren Geschwister blind sind und wegen der Geschichte mit meinem Vater auf absolut keine Unterstützung durch den Staat hoffen konnten, war ich auch für sie zuständig. Als ich meine Jobs verlor, war nicht nur meine Existenz in Frage gestellt, sondern auch die meiner ganzen Familie. Wie man sieht, es gibt zahlreiche und verschiedene Fluchtgründe.

… ich studiere an der Berner Fachhochschule und absolvierte die Powercoders…
2015 wagte ich dann die Flucht. Nach sechs Monaten in der Schweiz startete ich mein internationales Studium in Business Administration an der Berner Fachhochschule. Das Studium ist auf Englisch. Das zweite Semester habe ich ausgesetzt, um den Kurs bei den Powercoders zu absolvieren. Nach diesem dreimonatigen Intensivkurs in der Programmierung erhielt ich die Möglichkeit eines Praktikums bei der Kommunikationsagentur Enigma - hier in Bern. Ich bin Marketing-Assistent und Analyser. Die Arbeit begeistert und fordert mich. Ich möchte mich möglichst schnell von der Sozialhilfe ablösen und einen Job, um mein Leben selber zu verdienen. Ich bin nicht glücklich als Flüchtling und würde sofort zurück in meine Heimat, wenn sich die Situation bessern würde. Mein grösster Wunsch ist ein einfaches Leben in Sicherheit.

… Türen zu Schweizern und Schweizerinnen aufstossen…
Die Schweizer und Schweizerinnen sind freundlich und nett, aber zurückhaltend. Ich spüre, dass sie Angst haben vor Flüchtlingen. Ich bedaure die Distanz zur Schweizer Bevölkerung. Ich frage mich immer, wie kann ich die Türen zu den Schweizern und Schweizerinnen aufstossen.
...zuerst aus Sri Lanka nach Indien geflüchtet. Nach dem Studium als Informatiker gearbeitet...
Als ich acht Jahre alt war, wurde mein Vater in einem Bombenangriff in unserem Dorf in Sri Lanka getötet. Drei Jahre später flüchteten wir auf dem Höhepunkt des Krieges in Sri Lanka nach Indien. Ich war über 20 Jahre in Indien. Fünf Jahre lang habe ich an der Universität im Hauptschwerpunkt Informatik studiert. Nach meinem Studium arbeitete ich als System- und Network-Ingenieur in Indien. Ich sammelte sieben Jahre Berufserfahrung. Obwohl ich über 20 Jahre in Indien lebte, erhielt ich keinen indischen Pass.

…zurück in Sri Lanka hatte ich verschiedene Probleme...
2013 hiess es, der Krieg in Sri Lanka sei beendet. Also kündigte ich meinen Job und ging zurück nach Sri Lanka. Dort hatte ich verschiedene Probleme, was ich aus Sicherheitsgründe hier nicht näher beschreiben kann. Ich fühlte mich in meinem Alltag laufend bedroht.

…durch Powercoders bekam ich ein Praktikum als Systemingenieur bei der Migros…
Im Dezember 2014 floh ich in die Schweiz. Dank meiner Ausbildung bei den Powercoders konnte ich ein Praktikum (Internship) bei der Migros als Systemingenieur starten. Es gefällt mir sehr gut.

…ich bin dankbar…
Ich liebe die Schweiz, weil die Leute nett sind und ich bin sehr dankbar, hier zu leben. Ich fühle mich hier sicher und dort hatte ich jeden Tag Angst.

Vielen Dank Ebrahim Khalil Mehrno und Gajendran Packiyanathan für Euren Einsatz und die reibungslose Zusammenarbeit beim Entwickeln dieser Website!